GFK

Inhalte der GFK

Marshall Rosenberg, der Gründer der Gewaltfreien Kommunikation, entwickelte eine Abfolge von vier Schritten, um in schwierigen Situationen einen hilfreichen Kontakt herzustellen.
Konflikte entstehen, weil wir etwas sehen oder hören, etwas beobachten, was uns nicht gefällt. 

Dadurch wird ein unerwünschtes Gefühl (Traurigkeit, Wut o. ä.) ausgelöst, welches uns zeigt, dass etwas anders ist, als wir es brauchen. Eines unserer Bedürfnisse ist im Mangel und wenn wir unser Gefühl erkennen, können wir erschließen, um welches Bedürfnis es sich handelt. Erst wenn wir uns darüber im klaren sind, können handeln, zum Beispiel indem wir eine bedürfnisorientierte Bitte äußern. Diese vier Schritte der GFK (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) werden im alltäglichen Umgang leider häufig

mit Interpretationen anstelle von Beobachtung,
mit vorwurfsvollen Gedanken anstatt Gefühlen,
mit Strategien anstatt Bedürfnissen und
mit Forderungen anstelle von Bitten

verwechselt, und es kommt zu Streit und Zerwürfnis im Gegensatz zu Austausch und Verbindung.

Zum besseren Verständnis hier ein Beispiel, in dem die beiden Möglichkeiten,

1. Was uns leider häufig passiert und
2. Wie es auch sein könnte,

gegenüber gestellt werden:

Eine Schülerin schaut während eines Lehrervortrags aus dem Fenster.

Lehrerin: Wenn ich sehe, wie wenig du dich für meinen Unterricht interessierst (Interpretation) fühle ich mich ganz schön missachtet (Gedanke) und deshalb wirst du den Inhalt der Stunde schriftlich zusammenfassen (Strategie) und den Text morgen in mein Fach legen. (Forderung)

GFK-Lehrer: Wenn ich sehe, dass du aus dem Fenster schaust (Beobachtung) fühle ich mich unsicher (Gefühl) und würde gern wissen, ob du noch zuhörst weil mir Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sehr wichtig sind. (Bedürfnis) Kannst du mir sagen, ob du noch aufmerksam bist oder vielleicht eine Unterbrechung brauchst? (Bitte)

Während der Lehrer im ersten Fall voraussichtlich auf Widerstand trifft und die Schülerin spätestens jetzt keine Lust mehr hat, sich einzulassen, hat der Lehrer im zweiten Fall einen Kontakt hergestellt und kann darauf aufbauen. Der Lehrer verzichtet auf Interpretationen, die ihn selbst ("ich kann sie einfach nicht erreichen") oder die Schülerin ("die scheint sich ja für gar nichts zu interessieren") abwerten. Vielmehr achtet er auf seine Gefühle und Bedürfnisse und ist dadurch automatisch offen dafür, auch bei der Schülerin Bedürfnisse zu vermuten und Interesse zu zeigen, was wiederum ihm die größtmögliche Chance auf eine aufgeschlossene, achtsame Reaktion seitens der Schülerin ermöglicht. Eine sehr wichtige Voraussetzung, um achtsam reagieren zu können, sind die Ohren, mit denen wir hören. Marshall Rosenberg nennt vier Möglichkeiten, mit denen wir ein und dieselbe Kritik empfangen können.

1. Wir entscheiden, dass der andere, der Kritik äußert, "böse" ist, und wehren uns, indem wir den vermeintlichen Angriff mit einem Gegenangriff beantworten.

2. Wir entscheiden, dass der Andere Recht hat mit seiner Kritik, sehen uns selbst als schwach und unzureichend an und reagieren mit Selbstvorwürfen oder Verteidigungsreden.

3. Wir nutzen unsere Energie nicht dafür zu klären, ob diese Kritik zu Recht oder zu Unrecht kam, sondern verbinden uns mit unseren Gefühlen, die durch die Kritik entstanden sind, um unserem Bedürfnis, was wir eigentlich brauchen, auf die Spur zu kommen. (Empathie für uns selbst)

4. Wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf, was in dem anderen vorgeht, welches Bedürfnis bei ihm im Mangel ist und ihn zur Äußerung seiner Kritik bewog. (Empathie für den anderen)

Wenn wir auf die äußerst destruktiven (leider häufig gewählten) ersten beiden Reaktionen verzichten wollen, um eine Verbindung mit unserem Gegenüber herzustellen, ist es sinnvoll, zunächst die dritte Variante zu wählen, um Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen zu bekommen. Damit schaffen wir Raum, uns einzulassen, um nun Möglichkeit 4 zu wählen und offen zu sein für die Bedürfnisse des anderen.

Beispiel:

Schüler: So wie Sie das erklären, kann das kein Mensch verstehen.

Zu 1. Ich höre einen Vorwurf und denke, "was fällt dem ein" und schieße zurück, indem ich sage: "Kein Wunder, du lernst auch nicht genug".

Zu 2. Ich lade die Schuld auf mich und mache mir innerlich Vorwürfe, nicht gut erklären zu können, und sage: "Tut mir leid, ich erklär’ es gleich noch einmal. Es ist gar nicht so einfach, es verständlich zu machen".

In beiden Fällen gibt es einen, der etwas falsch gemacht hat - einen, der nicht gut dasteht. Wähle ich eine Kombination aus Möglichkeit 3 und 4 mache ich mir bewusst, dass mir Verständnis und Wertschätzung für meine Bemühungen wichtig sind, und bemühe mich dann, das Bedürfnis des Schülers zu erkennen und zu benennen, indem ich vermute:" Wünscht du dir Verständnis und Überblick und würdest das Ganze gern noch einmal auf eine andere Art erklärt haben?"

In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass der Schüler, der vorher im Ärger und auf Distanz zu mir war, bereit ist, in Kontakt zu gehen. Erfahrungsgemäß kommt an dieser Stelle ein Ja, das würde ich gerne", während in den Fällen 1 und 2 eher ein "Ach, lass mich doch in Ruhe" geäußert wird. Die GFK lehrt die Sprache des Herzens mit dem Ziel, Verständigung und Verbindung zu erlangen, während außerhalb der GFK häufig das Ziel verfolgt wird, Recht zu haben, sich durchzusetzen und zu gewinnen.